Montag, 11. Dezember 2017
Anke Wellnitz, Selbsthilfekontaktstelle
Betül Licht, Initiative Mut lohnt sich
Deutsche Schmerzliga e.V.
Fritz Langen, Bürgermeister
Hans Werner Kammer, MdB
Maike Carls, Pädagogin und Humoristin
Selbsthilfegruppe Freundeskreis Alkoholproblem

Kontaktbörse der Selbsthilfe

Der Höhepunkt des Selbsthilfejahres ist in Wilhelmshaven die „Kontaktbörse der Selbsthilfe“, die am 08. November 2013 im Gorch-Fock-Haus unter dem Motto des niedersächsischen Integrationsprojektes „KOMM-WER IMMER Du bist“ stattfand.

Themenschwerpunkt war die Sensibilisierung von MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund für die gesundheitsbezogene Selbsthilfe  mit dem Fernziel der Integration in die bestehenden Selbsthilfegruppen.

Dass die Selbsthilfe in Wilhelmshaven auch von den politisch Verantwortlichen im Bund, Land, der Kommune und den Krankenkassen wahrgenommen und wertgeschätzt wird,  spiegelte sich in den Grußworten wider: es sprachen Hans Werner Kammer, MdB, Holger Ansmann, MdL, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Wilhelmshaven Fritz Langen und der Regionaldirektor der AOK Jade Jürgen Thiedemann.

Auf der Veranstaltung präsentierten mehr als 30 Selbsthilfegruppen ihre Arbeit und mit über 300 BesucherInnen war die Veranstaltung gut besucht.  Im Vordergrund standen hierbei Gespräche zur Krankheitsinformation bzw. zu psycho-sozialen Thematiken. Eine Abfrage der Selbsthilfekontaktstelle im Nachhinein ergab, dass nach der Kontaktbörse fast jede Gruppe neue Mitglieder begrüßen konnte. Dieser positive Rücklauf motiviert sicher zum weiteren Engagement für die Kontaktbörse im nächsten Jahr.

Die beiden Vorträge von Betül Licht und Maike Carls bereicherten die Veranstaltung. Betül Licht führte in die Thematik der Migration aus der Sicht einer Betroffenen ein. Sie arbeitet zudem selbst in der Selbsthilfe und verkörperte die „lebendige Schnittstelle“.  Sie warb in ihrem Vortrag nicht nur um Verständnis für Migration, sondern auch um Geduld und Hartnäckigkeit. Selbsthilfe werde traditionell in der türkischen Gemeinschaft gelebt – wenn auch nicht öffentlich und unter der Bezeichnung „Selbsthilfe“ -, von daher ist eine Zusammenarbeit und gemeinsames Engagement von Deutschen und MigrantInnen ein beidseitiger Zugewinn. Sie gab der Integration in die bestehenden Selbsthilfegruppen den Vorzug vor muttersprachlichen Zusammenschlüssen: „Ein Türke würde manche Dinge in einer türkischen Gruppe nie erzählen, in einer deutsch/türkischen schon“, so ihre Erfahrung.  Mit Bedauern stellte sie fest, dass der Einladung zur Kontaktbörse nur wenig MigrantInnen gefolgt waren. Die Veranstaltung sei ein Aufbruchssignal und die Zusammenarbeit müsse sich nach dem heutigen Start im Laufe der Zeit beständig weiterentwickeln, so Betül Licht.

Maike Carls richtete den humorvollen Blick auf die menschliche Kommunikation: „Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“ hieß ihr Vortrag. Gestik, Mimik und Sprache dienen der Verständigung, doch können sie auch zu Missverständnissen führen. Ein „JA!“ mit Auf- und Abwärtsbewegung des Kopfes bedeutet positive Zustimmung – im Griechischen heißt dies „NE“. Woanders sei es halt anders, so ihr Resümee.  Universell gültige Ratschläge gab es auch: So könne man mit gesenktem Haupt keinem guten Gedanken nachhängen und schon überhaupt keine neuen positiven erdenken, mit einem Jogginganzug bekleidet, werde man nur schwerlich als fachkompetent angesehen und als Dauermuffel mit entsprechender Miene beruflich kaum respektiert. Maike Carls Auftritt an dieser Stelle zu beschreiben fällt nicht leicht, man muss sie einfach  als „Gesamtkunstwerk“ erlebt haben. Am Ende gab es stehende Ovationen und donnernden Applaus.

Insgesamt war die „Kontaktbörse“ eine gute und werbende Veranstaltung für die Selbsthilfe mit positiven Aspekten für die Gruppen und Selbsthilfekontaktstelle, die u.a. vielfältige zukünftige Arbeitsaufträge zum Thema Integration von Migranten deutlich werden ließ.

Wir bedanken uns bei allen KooperationspartnerInnen, die diese Veranstaltung ermöglichten.